• Iran opens to the West. Latin America raises the voice

    There was great attention during the works of the United Nations General Assembly towards Iran’s new President. However the debate of the last week was not characterized just by the Middle East question.

  • Syria and Iran to dominate UN General Assembly

    US President Barack Obama used his speech at the UN General Assembly to demand the world take action on the crisis in Syria. Syria and renewed talks on Iran’s nuclear program are set to dominate the annual meeting

  • Germany Votes 2013

    Preliminary final results

  • Silvio's surreal theater

    Former prime minister Silvio Berlusconi yet again has appealed to his fellow Italians. He sees himself as a victim of the courts and lawyers and has vowed to fight on against what he views as a defamation campaign...

  • Election eve: Merkel, Steinbrück lobby undecided voters

    The main candidates in Sunday's German election have made final appeals to undecided voters. Chancellor Angela Merkel lobbied in Berlin while Social Democrat rival Peer Steinbrück campaigned in Frankfurt....

  • Berlusconi tax fraud conviction upheld

    Italy's highest court has upheld a tax fraud conviction against former PM Silvio Berlusconi, and ordered a review of a ban on him serving in public office. The court confirmed a four-year jail sentence by a lower court...

  • Mexico Zetas leader Miguel Angel Treviño captured

    Mexican marines have captured one of the world's most notorious drug-gang leaders in a raid near the US border...

Showing posts with label Deutsch. Show all posts

Asyl für Snowden: Göring-Eckardt und Trittin machen Druck auf Merkel



Seine Enthüllungen seien wichtig für Deutschland - deshalb soll Edward Snowden eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Das fordern die grünen Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Berlin - Der Druck auf die Bundesregierung, sich für den Aufenthalt vonEdward Snowden in Deutschland einzusetzen, wächst: In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel fordern die grünen Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin, dass der NSA-Enthüller in der Bundesrepublik Zuflucht findet.
Snowden befindet sich zur Zeit im Transitbereich eines Moskauer Flughafens. Washington fordert nach den bahnbrechenden Enthüllungen über die Spionagetätigkeiten der NSA und ähnliche Aktivitäten britischer Nachrichtendienste seine Auslieferung. Ein Asylangebot Russlands hat Snowden zurückgewiesen, inzwischen ersucht er auch in Deutschland Aufenthalt.
Mit "Schutz für Edward Snowden" ist der Brief von Göring-Eckardt und Trittin überschrieben, der SPIEGEL ONLINE vorliegt. "Wir appellieren an Sie, Edward Snowden eine Aufenthaltserlaubnis nach §22 des Aufenthaltsgesetzes zu erteilen", schreiben sie. Die Bundesregierung könnte auf Basis dieses Paragrafen die Aufnahme Snowdens in Deutschland genehmigen.
Die Begründung der Grünen-Politiker: "Edward Snowden hat Deutschland einen Dienst erwiesen, indem er Praktiken enthüllt hat, die gegen elementare Grundrechte verstoßen und einen schweren Vertrauensbruch zwischen Verbündeten darstellen." Deutschland habe ein eigenes Interesse daran, "dass Herr Snowden unmittelbar über die gegen unser Land gerichtete Praxis der USA und Großbritanniens berichten kann", heißt es weiter.
Deshalb sei eine Aufnahme Snowdens in Deutschland zwingend. "Es bestehen, wie dargelegt, 'dringende humanitäre Gründe', und das 'politische Interesse der Bundesrepublik Deutschland' gebietet eine entsprechende Aufnahmeerklärung", schreiben die Grünen-Politiker.
Von einer Auslieferung an die USA sollte die Bundesregierung für diesen Fall absehen, heißt es in dem Brief an Merkel: "Sie sind angesichts des politischen Charakters der Taten, die Herrn Snowden vorgeworfen werden, mehr als berechtigt, ein Auslieferungsverfahren abzulehnen."

Quelle: Der Spiegel

Prism und Tempora: Das Gefühl der Überwachung

Automatisierte Überwachung: Ich habe etwas zu verbergenVon von Judith Horchert 





Mit Prism und Tempora sind gigantische Überwachungsprogramme öffentlich geworden. Sie haben nichts zu verbergen? Schön für Sie. Ich schon: mein digitales Leben. Denn das kann ich selbst kaum rekonstruieren. Ein Streifzug durch meine privaten Postfächer und Accounts.


Ich gebe es zu: Ich habe mich schon über Bombenanleitungen im Internet ausgetauscht. Mindestens ein Geheimdienst dürfte das auch wissen. Zumindest hieß es doch, der BND habe im Jahr 2010 mehr als 37 Millionen E-Mails und Datenverbindungen überprüft, weil darin bestimmte Schlagwörter wie "Bombe" vorkamen. Ich hab es mal gemacht wie der BND und in meinen Mails nach "Bombe" gesucht. 105 Treffer.
Im besagten Jahr war ich Journalistenschülerin, und als Schulprojekt haben wir ein Magazin über das Internet gemacht. In einem Text ging es um die Frage, wie leicht es ist, mit Hilfe des Internets eine Bombe zu bauen. Die Autoren haben sich juristisch abgesichert, aber in unseren privaten E-Mails - die meisten hatten Accounts bei US-Anbietern - haben wir uns oft über die Recherche ausgetauscht, gesponnen und geblödelt.
Wer so ein Zeug schreibt, macht sich vielleicht verdächtig. Bei den meisten "Bombe"-Treffern in meiner Mailbox aber geht es um nichts Fragwürdiges, sondern ums Weltgeschehen. Da fallen nämlich oft Bomben - mit denen ich nichts zu tun habe. Genau genommen hatte ich noch nie etwas mit einer Bombe zu tun, ich habe nicht einmal an besagtem Text mitgearbeitet.
Interessiert ein digitales Lieschen Müller die Geheimdienste?
Gut: Niemand interessiert mein Privatgeschwätz, nehme ich an. Selbst wenn die E-Mail zum Beispiel für drei Tage in England zwischengespeichert wurde, kann es doch gar keine Kapazitäten geben, um solchen Firlefanz auszuwerten.
Ich weiß aber überhaupt nicht, wie Geheimdienste arbeiten, genau wie die meisten von Ihnen. Nur spätestens nach dem Überwachungsskandal um das amerikanische Prism- und das britische Tempora-Programm muss ich erst mal mit allem rechnen. Und die meisten von Ihnen auch. Ich weiß, dass jemand alles über mich wissen könnte. Ich weiß nicht, ob das der Fall ist oder nicht. Um unbesorgt bleiben zu können, müsste ich Hunderttausenden Geheimdienstmitarbeitern blind vertrauen.
Im Privatleben bin ich das Lieschen Müller des Internets: Ich habe einen Facebook- und einen Twitter-Account, bin Kundin oder Nutzerin von Amazon, Apple, Google, Yahoo und Microsoft. Ich habe Freunde in den USA und vielen anderen Ländern, mit denen ich telefoniere, skype, maile, chatte. Und die meisten Mails, die ich privat verschicke oder empfange, sind unverschlüsselt.
Letzteres liegt hauptsächlich daran, dass die meisten Menschen, mit denen ich maile, mit verschlüsselten Mails gar nichts anfangen könnten. Natürlich weiß ich, dass theoretisch auch ein Angreifer oder jemand, der bei meinem Freemail-Anbieter arbeitet, meine Mails lesen könnte - viele Dinge würde ich in einer E-Mail deshalb sowieso nie schreiben. Aber der Freemail-Mitarbeiter hat keinen Zugriff zu den Puzzlestücken aus meinem restlichen digitalen Leben. Und keinen Geheimdienst im Rücken.
Es ist unklar, ob und wie ein digitales Lieschen Müller in irgendjemandes "Visier" gerät. Aber auf den Berliner Soziologen Andrej Holm zum Beispiel sind BKA-Fahnder durch eine simple Google-Suche aufmerksam geworden. Dieser Verdacht führte zu einer fast einjährigen Observation - obwohl er unbegründet war. Der Fall ist aus diversen Gründen nicht mit meiner Situation zu vergleichen. Aber er zeigt, dass auch Sicherheitsbehörden folgenschwere Fehler machen.
Diese Nachrichten würde man finden
Ich kommuniziere viel im Netz. Aus den unzähligen Sätzen und Nachrichten habe ich willkürlich ein paar von mir ausgewählt:
"Hey, danke für die guten Kontakte in Istanbul."
Das habe ich einem Kollegen als Facebook-Nachricht geschrieben. Für einen Reisebericht hatte ich damals nach Einheimischen gesucht, die mir Tipps für Touristen geben können.
"Ich maile nicht gern über Facebook."
Solche Nachrichten liegen viele in meinem Postfach. Das hat nichts mit Sicherheitsbedenken zu tun (eine unverschlüsselte E-Mail wäre ja nicht besser), sondern mit Bequemlichkeit: Ich habe meinen privaten Mails gern beieinander und will mich nicht noch jedes Mal zusätzlich bei Facebook einloggen.
Dass mancher den Satz anders versteht, sehe ich zum Beispiel an dieser Antwort eines entfernten Bekannten:
"Immer noch misstrauisch? Berechtigt, sicherlich, zumal ich ja auch weiß, dass Du einige Freunde beim CCC hast. Ich traue Facebook und Co. auch nicht wirklich."
Manche E-Mails kann ich mir selbst nicht mehr erklären
Einem Freund schrieb ich:
"Lass uns demnächst mal Berlin unsicher machen."
Klar, mit dem wollte ich ausgehen. Wäre zwei Wochen später in Berlin eine Bombe hochgegangen, könnte man das vielleicht als Anspielung lesen, erst recht, wenn man es per Google-Übersetzer ins vermeintlich Englische übersetzt: "Let us sometime soon make Berlin unsafe."
Solche Missverständnisse würden sich im Falle eines falschen Verdachts ja rasch aufklären, hofft man - durch den Zusammenhang. Aber der ist oft kaum noch nachzuvollziehen. Erst recht nicht bei einer automatisierten Überwachung. Etwa, weil ich mich mit einer Freundin zum Quatschen treffe und später per E-Mail noch einen Satz ergänze: ohne Begrüßung, ohne Einleitung und ein Jahr später selbst für mich selbst nicht mehr nachvollziehbar. Das zeigt ein Dialog mit meinem amerikanischen Bekannten, der in Dänemark lebt. Davon finde ich bei Facebook nur noch Fetzen:
"Ich vermute, den besten Preis erzielst Du in Dänemark."
schrieb ich irgendwann auf Englisch, er antwortete:
"Es sieht so aus, als könnte es für 4000 Kronen verkauft werden."
Erst nach langem Nachdenken fiel mir ein, dass es damals um ein gebrauchtes Smartphone ging und der Rest der Konversation auf anderem Weg stattfand.
Wer sich überwacht fühlt, ändert sein Verhalten
Sollte man vielleicht bedachter sein? Nichts mehr über Bomben schreiben, keine missverständlichen Witze machen, seine Kommunikation verschlüsseln und grundsätzlich so formulieren, dass es auch für potentielle Mitleser eindeutig ist?
Das kommt überhaupt nicht in Frage! Es kann nicht sein, dass ich als unschuldiger und unverdächtiger Mensch mein Verhalten anpassen muss, um nicht Gefahr zu laufen, dass meine E-Mails gelesen werden. Und es ist ein Unding, dass ich fürchten muss, dass sich ein ausländischer Geheimdienst ein falsches Bild von mir macht. Oder womöglich auf mich aufmerksam wird, weil ich ab jetzt doch viele meiner Mails verschlüssele. Ich will mein Leben nicht geändert bekommen.
Doch wer sich überwacht fühlt, ändert sein Verhalten. Wenn Sie das nicht glauben, stellen Sie sich doch einmal kurz vor, dass Sie in diesem Moment jemand durch Ihre Webcam anblickt und Bilder von Ihnen veröffentlicht - so etwas passiert tatsächlich.
Andrej Holms Lebensgefährtin Anne Roth hat mehrfach beschrieben, wie es sich anfühlt, über einen längeren Zeitraum überwacht zu werden. Wer das liest, bekommt eine Ahnung von dieser Beklemmung. Und eine Vorstellung davon, wie schnell Handlungen und Sätze missverstanden werden, wie rasch das eigene Leben von außen fehlinterpretiert werden kann.

"Irgendwo in der Lüneburger Heide haben sie das Ding hochgehen lassen und sind auf unbestimmte Zeit krank geschrieben."
"In Taschen- und Trekkinggeschäften ist offenbar schon der Begriff RFID völlig unbekannt. Ich geh mal Alufolie kaufen."
"Sie wird von Interpol gesucht; es wird vermutet, dass sie in den asiatischen Untergrund abgetaucht ist."
"Statt sich auf die Revolution vorzubereiten, stehen die Leute vor den Kneipen und gucken Fußball."
"Hallo, Berlin! Hat jemand Platz im Keller/Dachboden übrig?"
"Danke für die Tipps. Werde nicht aufgeben."
"Wir brauchen neues Gas."
"Ich bin nervös."
Würde ich das als Außenstehende lesen, würde ich mich vielleicht fragen, was diese Person treibt und was das überhaupt für eine Person ist. Das bin ich.
Ich kann alles erklären. Will ich aber nicht. So weit kommt es noch
Quelle: Der Spiegel

US-General unter Whistleblowing-Verdacht



Er war der zweithöchste US-Offizier, nun ermittelt die Regierung gegen ihn: General James Cartwright soll Informationen über die "Stuxnet"-Attacken gegen iranische Atomanlagen an die Presse gegeben haben. Besonders delikat: Er selbst spielte bei dem Angriff eine wichtige Rolle. 


mehr auf:  http://www.sueddeutsche.de/politik/cyber-attacken-auf-iran-us-general-unter-whistleblowing-verdacht-1.1707816

Trauriger Rekord in Texas




Heute Nacht soll Kimberly McCarthy per Giftspritze getötet werden. Sie wäre damit die 500. Person, die in Texas seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 exekutiert wird. Während in den USA der Trend zur Abschaffung der "capital punishment" geht, hält der "Lone Star State" unbeirrt an der Strafe fest.
Von Josh Groeneveld
Rick Perry, der Gouverneur von Texas, hält einen grausigen Rekord. 259 Exekutionen hat er seit seinem Amtsantritt im Dezember 2000 gebilligt. Kein anderer US-Gouverneur hat seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA 1976 mehr Exekutionen genehmigt. Mit der verurteilten Mörderin Kimberly McCarthy, die in der Nacht auf Donnerstag per Giftspritze getötet werden soll, erhöht sich der Wert auf 260.
Seit 1976 ist es ist die 500. Hinrichtung in Texas. Der Lone Star State tötet so viele Gefangene wie auch nur annähernd kein anderer Bundesstaat. Dabei ist der Trend in den USA ein anderer: Seit Jahren sinken laut Amnesty International die Zahlen der ausgesprochenen Todesurteile in den USA stetig. Dem Death Penalty Information Center zufolge ist auch die Anzahl der Exekutionen, wenn auch schwankend, zurückgegangen - 2011 und 2012 waren es 43, während 1998 noch 98 durchgeführt wurden.
Zuletzt stimmten immer mehr US-Staaten für ein Verbot der Todesstrafe. Zwischen 2007 und 2011 schafften Connecticut, Illinois, New Mexico, New York und New Jersey sie ab. Erst im März diesen Jahres erließ auch Maryland ein Gesetz gegen das capital punishment. Marylands demokratischer Gouverneur Martin O´Malley führte damals neben ethischen auch ökonimische Gründe für die Entscheidung an: "Wir haben die moralische Verpflichtung, Dinge zu stoppen, die überflüssig, teuer und nutzlos sind und mit denen man keine Menschenleben rettet."
Der Texaner Rick Perry sieht das natürlich ganz anders. 2011 wurde er während der Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten gefragt, ob er trotz des Wissens, womöglich für den Tod Unschuldiger verantwortlich zu sein, ruhig schlafen könne. Für seine Antwort "Nein Sir, damit hatte ich nie Probleme" bekam er viel Applaus aus dem Publikum

Quelle: sueddeutsche.de

Überwachungsprogramm Tempora: Es geht um unsere Freiheit


Das britisch-amerikanische Überwachungspogramm Tempora markiert einen historischen Wendepunkt. Geheimdienste haben sich, unbemerkt von der Öffentlichkeit, das Potential zur orwellschen Totalüberwachung verschafft. Regierungen haben ihren Wählern gezielt verheimlicht, wie sie beobachtet werden.

Der Begriff "Datenautobahn" für das Internet griff schon immer zu kurz. In Wahrheit ist das Netz ein globaler Kommunikationsraum, in dem private und privateste Informationen über einen Großteil der Bevölkerung aller entwickelten Länder zu finden sind. Das Erpressungspotential jener, die auf ein allsehendes Internet-Auge zugreifen können, ist schier grenzenlos.

Genau dieses allsehnde Auge haben der britische Geheimdienst GCHQ und die amerikanische NSA unter dem Namen Temporaoffenbar entwickelt. Die passende Realwelt-Metapher für dieses Ansinnen: In jedem Zimmer jedes Hauses und jeder Wohnung werden Kameras und Mikrofone installiert, jeder Brief wird geöffnet und kopiert, jedes Telefon angezapft. Alles, was geschieht, wird aufgezeichnet und kann bei Bedarf betrachtet werden.
Das klingt grotesk, es ist aber erschreckend nahe an Realität, die der "Guardian" am Freitag enthüllte: Das GCHQ und die NSA kooperieren bei der Überwachung des Internetverkehrs, indem sie an den Glasfaser-Seekabeln direkt den Datenstrom abzweigen, kopieren und zwischenspeichern, um ihn bei Bedarf nach Informationen zu durchforsten.
Wir schauen doch nur hin, wenn wir es für geboten halten
Die Nutznießer dieses infamen Programms machten sich nun nicht einmal mehr die Mühe, zu dementieren, was sie da treiben. Der britische Geheimdienst ließ wissen, man kommentiere solche Dinge nicht - aber alles diene der Bekämpfung des Terrorismus und unterliege strengen gesetzlichen Auflagen. Seit der Enthüllung des Prism-Programmsargumentieren die Vertreter der NSA genauso: Was wir machen, dient der guten Sache, wir werden kontrolliert, und wir schauen doch nur hin, wenn wir es für geboten halten. Nicht immer. All das ist Augenwischerei.
Würde eine demokratische Öffentlichkeit der Totalüberwachung ihres privaten Wohnraums per Kamera zustimmen, weil man dabei vielleicht auch mal einen Terroristen beobachten könnte? Würden wir uns damit zufrieden geben, dass doch nur hingesehen wird, wenn ein namenloser Geheimdienst-Analyst es für nötig hält? Selbstverständlich nicht. Eine Regierung, die ein solches Programm vorschlüge, würde aus dem Amt gejagt, und zwar zu Recht.
Es mutet daher seltsam an, dass die Reaktionen in der angelsächsischen Welt so verhalten ausfielen. Sicher, "Guardian" und auch die "Washington Post" berichten ausführlich über die Programme. Doch es sind vor allemeinige deutsche Politiker, die sich empören - und das aus gutem Grund.
Denn die Tatsache, dass Briten und Amerikaner - wer noch mitgemacht hat, wird sich noch zeigen müssen - sich diese unerhörte Macht verschafft haben, und zwar ohne die eigene Bevölkerung darüber jemals zu informierten, ist ein Skandal von historischem Ausmaß. Für die Eingeweihten müssen alle Diskussionen um Vorratsdatenspeicherung, Internet-Datenschutz, Facebook und Google regelrecht amüsant gewesen sein. Sie wussten ja: Wir wissen ohnehin längst alles.
"Warum fangen wir nicht immer alle Signale ab?"
Das genau dies das Ziel war, zeigt ein Zitat des NSA-Chefs Keith Alexander aus den dem "Guardian" vorliegenden Dokumenten: "Warum können wir nicht immer alle Signale abfangen?", fragt der General da, "das klingt doch nach einem guten Sommerprojekt für Menwith" - gemeint ist eine GCHQ-Einrichtung in Menwith Hill in Nordengland.

Ein anderes Zitat zeigt, dass die Geheimdienstleute auch nach den ersten Enthüllungen konsequent logen. Nach einer Unterredung mit Behördenvertretern aus den USA und Europa erklärte EU-Kommissarin Viviane Reding, man habe ihr versichert, Daten über Europäer würden "nicht en gros" erfasst, sondern nur gezielt, in Ausnahmefällen. Das ist offensichtlich nicht wahr - nur dass das Sammeln en gros vom GCHQ, nicht von der NSA erledigt wird.
Die Enthüllungen des "Guardian", die wir dem hochriskanten Einsatz desehemaligen NSA-Vertragsarbeiters Edward Snowden verdanken, markieren einen Wendepunkt.
In den nächsten Wochen und Monaten wird sich entscheiden, ob die demokratischen Öffentlichkeiten der Welt stark genug sind, sich dem schrankenlosen, totalitären Anspruch westlicher Geheimdienste entgegenzustellen - oder eben nicht.
Die Regierungen der betreffenden Staaten waren dazu offenbar nicht in der Lage. In vollem Bewusstsein, dass sie diese Art von Überwachung demokratisch nicht würden rechtfertigen können, haben sie Ihrem Wahlvolk systematisch verheimlicht, was hinter seinem Rücken geschieht. Es ist jetzt an diesem Wahlvolk, sich zu wehren - und an uns, deren Daten als Beifang im Tempora-Netz landen, unsere eigenen Volksvertreter zur Verteidigung unserer Freiheit anzuhalten.


US-Informant: Edward Snowden hat Hongkong verlassen


Nächste Station Moskau? Edward Snowden fliegt laut einem Pressebericht von Hongkong in die russische Hauptstadt. Angeblich will er von dort nach Südamerika weiterreisen. Der Kreml hat nach eigener Aussage keine Kenntnis von Snowdens Aufenthaltsort und Plänen.

Hongkong - Der US-Informant Edward Snowden hat Hongkong verlassen und befindet sich auf dem Weg nach Moskau. Das berichtet die "South China Morning Post". Ein Behördensprecher in Hongkong bestätigte, Snowden habe die Stadt verlassen. Er sei unterwegs in ein "drittes Land".

mehr auf :  http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/prism-enthuellung-edward-snowden-fliegt-nach-moskau-a-907372.html

Schönes Wetter - schwierige Themen



Mehrfach hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel den amerikanischen Präsidenten nach Berlin eingeladen. Nun ist Barack Obama endlich da. Im Kanzleramt trafen sich beide zu einem Vieraugengespräch.
Nicht nur die gute Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA, sondern auch strittige Fragen stehen auf der Tagesordnung. Unter anderem dürfte es um das Überwachungssystem Prism gehen, mit dem der amerikanische Geheimdienst NSA Telefon- und Internetverbindungen auch in Deutschland überwacht und ausspäht. Datenschützer und Menschenrechtler hatten Merkel aufgefordert, das Thema anzusprechen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar erklärte, er erwarte von Merkel, dass sie sich für "ein hohes gemeinsames Schutzniveau beiderseits des Atlantiks" einsetze. Er wolle wissen, welche Daten nach welcher Rechtsgrundlage an Sicherheitsbehörden gingen und ob europäische Nutzer vor US-Gerichten für ihre Rechte eintreten könnten.
Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, kritisierte die Überwachung der Bürger und forderte Merkel auf, darüber mit Obama zu sprechen. Er erwarte "von einem Rechtsstaat wie den USA, dass sich der US-Präsident für ein freies und geschütztes Internet einsetzt und nicht wild ausspähen lässt", sagte er den "Kieler Nachrichten". Diesen Forderungen schlossen sich auch Vertreter der Opposition an. Der SPD-Politiker Thomas Oppermann sagte, die Bundesregierung habe die Pflicht, die Grundrechte deutscher Bürger auch vor Angriffen aus dem Ausland zu schützen. Wenn die Kommunikation über US-Unternehmen total überwacht werde, "dann liege der Gedanke nahe, auf europäische Server und Anbieter auszuweichen".
Herzlicher Empfang beim Bundespräsidenten
Zum Auftakt seines offiziellen Programms in Berlin war Obama in Schloss Bellevue mit militärischen Ehren begrüßt worden. Bundespräsident Joachim Gauck bereitete ihm dabei einen ausgesprochen herzlichen Empfang.
Barack Obama und Bundespräsident Joachim Gauck winken im Schloss Bellevue den Fotografen zu. Foto: AFP Obama in Berlin mit Gauck
Mehrfach schüttelten die beiden Staatsoberhäupter einander die Hände, schon nach wenigen Minuten legte Obama freundschaftlich den Arm um den gerührt wirkenden Bundespräsidenten. In strahlendem Sonnenschein schritten die beiden im Garten von Schloss Bellevue die Ehrenformation des Wachbataillons ab und hörten die Nationalhymnen. Zur Zeremonie eingeladen waren deutsche und amerikanische Schüler der Berliner John F. Kennedy-Schule, die voll auf ihre Kosten kamen: Sie hatten nicht nur schulfrei, sie konnten auch mit Barack Obama plaudern und Fotos von ihm schießen. Anschließend zog sich Obama, der zum ersten Mal als Präsident die deutsche Hauptstadt besucht, mit dem Bundespräsidenten zu einem Gespräch ins Schloss zurück.
Rede am Brandenburger Tor
Höhepunkt des Besuchs wird die Rede sein, die Obama am Nachmittag vor mehreren Tausend geladenen Gästen am Brandenburger Tor halten wird. Ein Schwerpunkt, so heißt es im Weißen Haus, werde das Thema Abrüstung sein. Obama werde Russland die beiderseitige Reduzierung der Atomsprengköpfe vorschlagen, sagte sein stellvertretender Sicherheitsberater Ben Rhodes. Außerdem spreche er sich für ein Gipfeltreffen zur atomaren Sicherheit im kommenden Jahr in Den Haag aus. Ein weiteres Treffen solle dann im Jahr 2016, dem letzten Jahr seiner Amtszeit stattfinden.
Damit knüpft Obama an das an, was er im Jahr 2008 als Präsidentschaftskandidat an der Siegessäule in Berlin gesagt hatte. Damals erklärte er, es sei an der Zeit, die weitere Verbreitung nuklearer Waffen einzudämmen. Das Ziel müsse eine atomwaffenfreie Welt sein. Seine damalige Rede wurde von 200.000 Menschen in der deutschen Hauptstadt begeistert gefeiert.
Mit der Familie in Berlin
Michelle Obama besucht zusammen mit ihren Töchtern Malia und Sahsa und Schwägerin Auma das Holocaust-Mahnmal in Berlin.
Foto: REUTERS Michelle Obama mit Töchtern und Schwägerin am Holocaust-Mahnmal in Berlin
Während Obama sein offizielles Programm in Schloss Bellevue begann, besichtigte die First Lady, Michelle Obama, zusammen mit ihren Töchtern Malia und Sasha das Brandenburger Tor und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Auch die kenianische Halbschwester des US-Präsidenten, Auma, war dabei. Die promovierte Germanistin hat einige Jahre in Deutschland gelebt und studiert, unter anderem in Heidelberg, Bayreuth und Berlin.